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Gemeinsame Stellungnahme der Ringeverbände

  •  10.03.2010, 09:14

Berlin, den 17. März. In den letzten Tagen haben einige Zeitungen und Internetmedien über das am 8. März 2010 vom britischen Geheimdienst übergebene historische Material aus den Jahren 1937 bis 1944 an das britische Nationalarchiv berichtet.

Berlin, den 17. März. In den letzten Tagen haben einige Zeitungen und Internetmedien über das am 8. März 2010 vom britischen Geheimdienst übergebene historische Material aus den Jahren 1937 bis 1944 an das britische Nationalarchiv berichtet.

Baden-Powell, die internationale Pfadfinderbewegung und der Versuch einer Annäherung durch die Hitlerjugend

Fokussiert auf die neuen Dokumente wurden seit Jahrzehnten publizierte Fakten nicht berücksichtigt und fälschlicherweise Sympathien für die Hitlerjugend und den Nationalsozialismus unterstellt.Das Weltorganisation der Pfadfinderbewegung WOSM nahm dazu ausführlich Stellung.

Verkürzte Darstellung verfälscht historische Tatsachen

Was in pfadfinderischen, aber auch in Medienkreisen für Aufregung sorgt, ist die verkürzte Darstellung in einigen wenigen – allerdings nicht allen – Medien. Darin ist zu lesen, dass der Gründer der Pfadfinderinnen- und Pfadfinderbewegung, Sir Robert Baden-Powell, große Sympathien für die Hitlerjugend gehegt und Kon-takte mit ihren Vertretern gepflegt hätte. Verbunden wurde dies mit Berichten über die ganz wenigen Zusammentreffen von Hitlerjugend und britischen Scouts.

Pfadfinder im Dritten Reich: Konvertiten und Illegale

Fakt ist, dass es in den Pfadfinderverbänden auch national Denkende gab, die den schnellen Wechsel in die HJ vollzogen. Andere versuchten, die Unabhängigkeit zu erhalten. Die Gleichschaltung vollzog sich jedoch relativ schnell mit der Übernahme des Reichsausschusses der Deutschen Jugendverbände im April und dem Verbot des Großdeutschen Bundes zu Pfingsten 1933. In den Monaten danach wurde der Stabschef der Hitlerjugend, Nabersberg, durch den Reichsjugendführer zum "Auslandsfeldmeister" der noch bestehenden "Reichsschaft deutscher Pfadfinder" ernannt. So versuchte die HJ, mit dem Internationalen Büro der Pfadfinderbewegung eine positive Beziehung aufzubauen. Das IB lehnte jede Zusammenarbeit ab.
Die HJ setzte ihre Bemühungen auch mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, dort insbesondere von Ribbentrop, fort. Die Reichsschaft wurde 1934 verboten, für die Pfadfinder wurde es außerordentlich schwierig, Kontakte ins Ausland zu pflegen. Reisegenehmigungen waren fast nicht zu erreichen. 1937 fand das Welttreffen der Pfadfinderbewegung in den Niederlanden statt, Deutsche nahmen illegal daran teil. In Gesprächen mit dem IB und auch mit Baden-Powell konnten sie die Situation in Deutschland vorstellen. An der Spitze des IB stand mit Hubert Martin ein Mann, der kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Hitlerjugend hatte.

Die Hitlerjugend ihrerseits nutzte das Weltpfadfindertreffen, um durch Deutschland reisende Pfadfindergruppen zu begrüßen und auf sich aufmerksam zu machen. So kam es auch zu gegenseitigen Einladungen. Im November 1937 arrangierte von Ribbentrop als deutscher Botschafter in London mit einer Einladung an Baden-Powell eine Zusammenkunft mit HJ-Vertretern, die aber ohne Erfolg blieb. Dabei wurde wohl Baden-Powell auch nach Deutschland eingeladen, um Hitler zu treffen. Baden-Powell reiste nicht nach Deutschland und hatte auch keine weiteren Treffen mit Vertretern der Hitlerjugend. Ab Oktober 1938 lebte er bis zu seinem Tod in Kenia.
Dr. Alexander Lion, der Gründer der Pfadfinderbewegung in Deutschland, wurde 1938 verhaftet und später zu einer Haftstrafe wegen Landesverrats verurteilt, weil die Kopie eines vertraulichen Briefes von ihm an die Engländer gefunden worden war. Er überlebte, andere fanden im KZ oder in Gefängnissen den Tod.
Als 1940 die Invasion in England geplant wurde, gab es eine Liste mit 2800 prominenten Briten, die sofort verhaftet werden sollten. Dazu gehörten der Leiter des IB, Hubert Martin, und eben auch Baden-Powell.

Völkerfreundschaft ist das erklärte Ziel von Pfadfinden.

Man muss also nicht allzu tief recherchieren, um wahrzunehmen, dass die Weltorganisation der Pfadfinderinnen und Pfadfinder schon früh die Hitlerjugend ganz richtig eingeordnet hatte: als nationalistische Staatsjugend mit Zielen, die mit den von Pfadfinden, nämlich weltweiter Freundschaft von jungen Menschen, nicht zu vereinbaren ist. Auch wenn Robert Baden-Powell ein Berufsoffizier war, so war sein späteres Ziel der Frieden zwischen den Völkern. Seine Meinung war, dass die Förderung weltweiter Freundschaft zwischen jungen Menschen ein Stein auf dem Weg dahin sei.

Quellen:
www.wosm.org (Übersetzung von Carolin Kammerer) www.dnews.de
Rheinische Post, 9. März; Süddeutsche Zeitung, 9. März; n-tv, 9. März;
einestages.spiegel.de, 9. März;
puls 16, Dokumentationsschrift der Jugendbewegung, 1988, historisches Material aus privaten Archiven.

 

 


Dateien:
2010-03-17_BP_and_Hitler_Uebersetzung.pdf

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